Glossar - Ökonomische Bildung

Ökonomische Bildung
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Bildung
M
Mündigkeit

Hier die Umschreibung des Begriffes "Mündigkeit" von Eberhard Jung:

"Mündigkeit umschreibt im rechtlichen Sinne die uneingeschränkte Geschäfts- und Deliktsfähigkeit, die mit dem Erreichen der Volljährigkeit eintritt. Im pädagogischen Sinne  zielt sie auf den Menschen als vernunftbegabtes, spontanes und  selbstreflexives Wesen, dessen Denken und Handeln im freiheitlichen,  sozialen und demokratischen Gemeinwesen Eingang findet. Das Bildungsziel  Mündigkeit ähnelt den Zielen -> Freiheit,  Autonomie, -> Emanzipation, -> Partizipation, bezieht aber  zusätzlich die anthropologischen Voraussetzungen mit ein sowie die  Möglichkeit und Verpflichtung zu eigenem Urteil und selbst  verantwortlichem Handeln.

In der Zeit der Aufklärung löste Kant  den Menschen aus der theologischen Vorstellung der absoluten  Unmündigkeit vor Gott und aus der affirmativen, durch Staat und  Gesellschaft vorgegebenen Normierung. Aufklärung definierte er als den „Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit".  Die Selbstverschuldung verstand er als Zusammenwirken moralisch  fragwürdiger individueller Faktoren (Faulheit, Feigheit) mit  gesellschaftlicher Bevormundung. Erziehung zur Mündigkeit muss  eigenständiges Denken, Urteilen und Handeln in moralischer Verantwortung  ermöglichen und verhindern, dass die natürliche Unmündigkeit von  Kindern durch „selbsternannte Vormünder" in eine dauerhafte Unmündigkeit führt.

Mündigkeit ist sowohl personelles Bildungsziel als auch Leitidee politischer, ökonomischer und sozialwissenschaftlicher Bildung.  So zielt die ökonomische Bildung auf mündige Verbraucher, Berufswähler,  Erwerbstätige und Wirtschaftsbürger. Diese mündigen Akteure sind  ökonomisch selbstbestimmte, urteils-, handlungs- und gestaltungsfähige  Subjekte. Sie sollen in die Lage versetzt werden, für ihr eigenes  wirtschaftliches Verhalten im Bewusstsein der Konsequenzen fachlich  fundierte, vernünftige und verantwortliche Entscheidungen zu treffen und  die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Gestaltungsmöglichkeiten  fachlich und moralisch zu beurteilen und mitzugestalten. Insofern  erfordert das Bildungsziel Mündigkeit auch, ökonomische Situationen und  Probleme aufzuspüren, die mit Beschränkungen der individuellen  Entfaltung oder einer lebenswerten Gesellschaft einhergehen, um  unhinterfragte Anpassung zu verhindern. Gleichzeitig erfordert es, die  Fähigkeit zur Selbstbestimmung und eigenständigem Urteil durch die  Bewältigung von Entscheidungs- und Konfliktsituationen zu fördern.

  • Benner,  Dietrich; Brüggen, Friedhelm. 2004. Mündigkeit. In: Benner, Dietrich;  Oelkers, Jürgen, Hg. Historisches Wörterbuch der Pädagogik. Weinheim,  697-699.
  • Gamm, Hans-Jochen. 1997. Erziehung zur Mündigkeit. In:  Mündigkeit - Zur Neufassung materialistischer Pädagogik. Jahrbuch für  Pädagogik. Frankfurt/M., 115-128.

Eberhard Jung"

Jung,  Eberhard (2008): Mündigkeit. In: Reinhold Hedtke und Birgit Weber  (Hg.): Wörterbuch Ökonomische Bildung. Schwalbach/Ts.: Wochenschau  Verlag, S. 237-238.
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